Auf die winterlichen Temperaturen im Sommer während der Grönlandreise folgte von Ende September bis Anfang November 2019 der Herbst bzw. der „Summer“ und zwar der „Indian Summer“. Nein, es ging nicht nach Indien. Der Indian Summer ist eine Bezeichnung für eine herbstliche Wetterperiode vorwiegend in Nordamerika und Kanada, während welcher es dort ungewöhnlich trocken und warm ist. Die Blätter der Bäume wechseln ihr äußeres Erscheinungsbild in dieser Zeit in alle nur erdenklichen Farben von rot, über gelb zu gold und bieten einen wunderschönen Blick über die bunten Waldflächen.
Rund um England
Doch bevor es über den großen See ging, stand noch eine 12-tägige England-Umrundung auf dem Reiseplan. Hierbei führte uns die Amadea zum königlichen Sommerschloss der Queen in Edinburgh, wo auch Megans Hochzeitskleid ausgestellt wird, zum Seeungeheuer Nessie, das in Schottland sein Unwesen treiben soll, und nach Belfast zum Titanic-Museum – ein Muss für Kreuzfahrtfans und Filmkenner.


Dort hatte ich übrigens ein lustiges Erlebnis: Als Reiseleiter ist eine der wichtigen Aufgaben, seine Schäfchen zusammen zu halten und im besten Fall mit genauso vielen Gästen zum Schiff zurückzukehren, wie man zum Ausflugsbeginn mitgenommen hat. Nach dem Museumsbesuch sammelten sich die Gäste wieder am Bus bis eine Dame zu mir kam und meinte, dass ein Herr auf ihrem Platz sitze. Ich sprach diesen an. Er schien aber durch mich durch zu schauen und kam mir auch nicht bekannt vor. Eigentlich kennen wir unsere Gäste, aber immerhin saß er in unserem Bus und manchmal täuscht man sich ja. Auch mehrfache Ansprache half nichts. Der Mann reagierte nicht… bis ich es mal auf Englisch versuchte. Das funktionierte besser. Denn so stellte sich heraus, dass er gar nicht zu uns, sondern zu einer ganz anderen Reisegruppe gehörte. Er fand unseren Bus und unsere Gruppe anscheinend besser als seine. 😉 Als ich ihm dann erklärte, dass er hier falsch sei, wechselte er in seinen Bus und die Dame konnte ihren alten Platz einnehmen. Nur Durchzählen bringt also auch nichts, wenn sich falsche Gäste in die Gruppe mogeln.
In Liverpool wandelten wir auf den Spuren der Beatles und besuchten den urigen unterirdischen Cavern Club. In diesem Gewölbekeller startete die Karriere der Beatles und auch heute präsentieren dort noch unbekannte Bands mitten am Tag ihr Können. In Cobh begleitetet ich einen Ausflug zur Whiskeybrennerei Jameson, in der die Gäste eine Kostprobe des irischen Getränks bekamen und in Cornwall besichtigte ich mit den Gästen Prideaux Palace, wo bereits diverse Rosamunde Pilcher-Folgen gedreht wurden und heute noch Personen leben. Im letzten Hafen der Englandreise konnte ich Stonehenge besuchen und am Abend tanzten wir als Phoenixteam, passend zur Reise, bei der Crewshow einen Schottentanz mit Dudelsack und Kilt. Was wir drunter trugen? – Das wird nicht verraten. 😉
Indian Summer
Die Indian Summer-Reise war in zwei Abschnitte geteilt. Von Hamburg bis New York und von New York zurück nach Deutschland. Dabei war es gut, dass sich ein paar der Häfen auf Hin- und Rücktour doppelten, da wir wetterbedingt nicht alle Häfen anfahren konnten. So hatten die Gäste, die beide Abschnitte gebucht hatten, auf dem Rückweg beispielsweise die Chance, Halifax und St. John’s zu sehen, die auf der Hinfahrt leider ausgefallen waren.


Die ersten beiden Häfen führten uns wieder nach England bzw. Irland. Im Hafen von Portland lagen wir gemeinsam mit unserem Schwesternschiff Artania. Ein kurzes Hallo zu den Kollegen und schon ging es auf den ersten Ausflug der Reise, und zwar zu einem Besuch bei Höckerschwänen. Ich habe noch nie im Leben so viele von den weißen Federtieren auf einem Haufen gesehen, aber es war toll und füttern durfte ich sie auch.
Wie angekündigt fiel der erste Hafen in Kanada leider aus, sodass wir in St. Anthony zum ersten Mal kanadischen Boden unter den Füßen hatten. Meine Reisegruppe allerdings nur kurz. Denn gerade von der Amadea runter, stiegen wir gleich wieder auf ein Boot. Deutlich kleiner, deutlich wackeliger und deutlich nasser. Wir begaben uns nämlich auf eine Walbeobachtungsfahrt – bei Regen. Während sich ein Großteil der Gäste ins Schiffsinnere begaben, blieben ein paar Hartgesottene draußen. Inklusive mir, da unser kanadischer Guide auf dem Ausguck stand und ich zum Übersetzen über das Mikro bei ihm stand. Aber es lohnte sich, denn wir wurden mit tollen Walbegegnungen belohnt. Am Ende der Bootsfahrt kam die Sonne raus und alle waren froh, dass die Wale sich unserer Gruppe gezeigt hatten.
In Bonne Bay begleitete ich erneut einen Bootsausflug und war unglaublich froh, dass widererwarten eine ortsansässige deutschsprachige Dame als Guide an Bord des Ausflugsschiffes war, sodass ich die verschiedenen Entstehungsgeschichten der Gesteinswelten vor Ort nicht übersetzen musste. Nach dem Ausflug konnten wir noch privat die Natur und den Leuchtturm besuchen und mit ein paar Kollegen in einem typisch eingerichteten Diner Essen gehen.
Den beiden Schiffsausflügen folgte dann in Corner Brook/Neufundland eine Waldwanderung durch die farbenfrohe Blätterwelt des Indian Summers. Meine beiden Guides tanzten und sangen mit unserer Gruppe ein traditionelles kanadisches Lied – also mit dem Teil, der sich traute, mitzumachen – und wir erhielten die ersten Eindrücke, was den Goldenen Herbst so besonders macht.
In Seguenay ging es mit den Gästen zum „Alpakakuscheln“. Das hört sich immer nach so viel Spaß an. Ist es auch… aber, dass ich auf den Ausflügen oft auch mal 8 Stunden übersetzen muss, erwähne ich jetzt nicht jedes Mal. 😉
Wusstet ihr, dass es in Québec einen Laden nur mit Popcorn gibt? Bei traumhaften Wetter hatte ich eine tolle Stadtrundfahrt mit Blick auf das Schloss Frontenac und zum nahegelegenen Wasserfall und anschließend ging ich mit meinen lieben Kollegen JP, Franzi und Amelie auf Erkundungstour durch die Stadt, Pizza essen und zum Nachtisch gab es leckeres Popcorn mit Karamell.


Am nächsten Tag bekamen meine Gäste und ich eine Zeitreise in das traditionelle Leben der Kanadier. In einem Holzfällercamp wurde musiziert, gegessen und die Arbeit der Waldarbeiter vorgestellt.
Der 10. Oktober war Franzis Geburtstag. Wir waren für den gleichen Ausflug in zwei unterschiedlichen Bussen eingeteilt. Eigentlich war diese Tour ohne ortsansässigen Guide geplant, da es sich nur um einen Transfer in eine etwas abgelegene Stadt handelte. Am Bus erwartete mich dann doch eine englischsprechende Dame, die uns auf der Fahrt etwas über die Gegend erzählen sollte. Schon kurze Zeit später war ich froh, dass doch jemand dabei war. Denn nach wenigen Kilometern Fahrt blieb der kanadische Schulbus, der als Ausflugsbus diente, stehen und ich merkte schnell, dass wir ein Problem hatten: Vor uns standen 2-3 weitere Autos und davor hing quer über der Straße eine Überland-Stromleitung herunter, sodass weder Autos, geschwiege denn Busse, hindurchfahren konnten. Wir warteten und warteten… die Gäste wurden natürlich etwas ungeduldig und unser Guide bekam über Kontakte und Telefonate heraus, dass ein zu hoher Truck die Leitung heruntergerissen hatte und die Feuerwehr und Stromanbieter kommen müssten, um das Problem zu beheben. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, dass möglichst bei jedem Ausflug jemand von unserem Phoenixteam dabei ist. Hinter unserem Bus warteten mit uns noch zwei weitere Phoenixbusse auf die Weiterfahrt. Nur Franzi, die mit ihrer Gruppe vor uns gefahren war, war mittlerweile schon am Ziel angekommen. Ich hielt den Kontakt zu den Kollegen am Schiff, denn ewig warten kann man ja auch nicht. Das Schiff muss irgendwann auch wieder ablegen. Also hielt ich die Gäste auf dem Laufenden und nach ca. 1,5 Stunden Warten, aber auch interessanten Beobachtungen, wie die Stromleitung entfernt wurde, ging es endlich weiter. Vom Schiff hatte ich zwischenzeitlich die Rückmeldung erhalten, dass unsere Gruppen den Ausflug mit der geplanten Aufenthaltszeit in dem Ort durchführen konnten, da wir etwas später Ablegen durften. Im Ort Percé traf ich dann auf das Geburtstagskind Franzi und konnte nach der turbulenten Anfahrt noch kurz berichten, warum wir so lange gebraucht hatten, und mit ihr die Aussicht genießen, bis es für sie wieder zum Schiff ging. Abends gab es dann noch eine kleine Geburtstagsparty mit dem Phoenixteam für Franzi.
Ein paar Seetage später folgte dann auch schon das Ende des ersten Indian Summer Abschnitts und das Highlight der Reise: New York City! Für die Einfahrt in den Hafen von New York vorbei an der Freiheitsstatue lohnte sich auch das sehr frühe Aufstehen. Der noch nebelverhangene Morgen klarte ziemlich schnell auf als wir direkt neben der AIDA luna anlegten, auf der meine Freundin und ehemalige Kollegin von meinem vorherigen Job Anki nun arbeitete. Leider schafften wir es zeitlich nicht, uns auf einen Kaffee in New York zu treffen, obwohl wir das eigentlich schon lange vorher geplant hatten, als wir noch an Land waren. Sie konnte mich sehen, als ich wenigstens zum Winken auf unser Aussendeck gegangen bin, ich sie aber nicht, da ihr Schiff deutlich mehr Gäste hat und diese alle zum Auslaufen an Deck waren. Da ging sie leider unter. Dieses traurige Gefühl über das ausgefallene Treffen verflog mit den Eindrücken auf dem Ausflug.
Alles hatte gigantische Ausmaße: Weltmetropole, Wolkenkratzer und das Grand Central Terminal – der Bahnhof mit weltweit den meisten Gleisen: 67. Vom 76. Stockwerk des Rockefeller Centers hat man einen wahnsinnig tollen Ausblick über die Stadt und da wir alle Engelchen waren, die an diesem Tag gereist sind, hatten wir Sonnenschein und sehr viel Glück mit dem Wetter.
Abends besuchten wir das Musical Chicago. Wenn man schon in der Stadt ist, muss man auch auf den Broadway. Vorher machten wir einen Abstecher zum nahegelegenen Time Square. Mit den Leuchtreklamen, bunten Farben und vielen Besuchern versteht man den Satz: „Die Stadt, die niemals schläft“ noch viel besser und wir waren mitten drin. Im Theater trafen wir ein paar Mitglieder unseres Showensembles, die in unserer Showlonge an Bord auch regelmäßig Stücke aus dem Musicalklassiker aufführten. Nach der Vorstellung stärkten wir uns in einem typischen Diner namens „Stardust“ mit einem Burger. Das besondere hier ist, dass dort Musicaldarsteller servieren und zwischendurch ihr können mit Gesangseinlagen unter Beweis stellen.
Am 2. Tag in New York war Passagierwechsel und ein paar neue Kollegen kamen, während andere in den Urlaub gingen. Unter anderem kamen Svenja und Stefan an Bord, mit denen wir am Abend in eine Rooftopbar mit Blick auf den Time Square gingen, um in Stefans Geburtstag reinzufeiern. Das war unsere zweite Overnight in Big Apple und das Beste daran war, dass unsere Amadea nur 15 min. vom Zentrum entfernt an der Pier lag.
Was noch zu New York gehört durfte ich am dritten Tag live erleben: Ein Gospelkonzert speziell für unsere Gäste in einer Kirche im Stadtteil Harlem. Die Gospelsänger hatten unglaublich kraftvolle, tolle Stimmen und am Ende des Konzertes baten sie alle nach vorn und tanzten gemeinsam mit uns und zauberten unseren Gästen ein Lachen ins Gesicht.
Von der Shoppingtour mit JP in den letzten Stunden des Aufenthaltes kehrten wir mit Shoppingerfolgen, aber auch mit pitschnassen Schuhen wieder. Es goss wie aus Eimern und wir hatten keinen Regenschirm dabei.
Der zweite Abschnitt der Indian Summerreise begann offiziell mit dem Auslaufen und Kurs auf Boston. Auch dort hatten wir wegen einer verfrühten Ankunft (ein Hafen zwischendurch musste leider ausfallen) eine Overnight. In der Hauptstadt von Massachusetts (Der Bundesstadt, den ich übrigens nicht aussprechen kann) ist ein Besuch im Park für Tierfreunde empfehlenswert. Dort sind die Eichhörnchen so zutraulich, dass man sie aus nächster Nähe betrachten kann. Und wie soll ich sagen?! Ich war an der Cambridge University… nicht zum studieren, aber immerhin mal zum Schauen, denn hier war ein Punkt meiner Stadtführung.
Im Bundesstaat Maine lernten wir in Portland und Bar Harbor alles über Hummer und anschließend fuhren wir nach Kanada: Saint John (New Brunswick), Halifax und weiter nach Sydney – nein nicht einmal um die Welt nach Australien, sondern in das Sydney in Nova Scotia, Kanada. Wenn ihr also mal ein Flugticket bucht, kontrolliert lieber zweimal, ob ihr auch das richtige Sydney erwischt habt. Da gab es schon den ein oder anderen Irrflug.
In Charlottetown machten JP, Franzi und ich uns auf den Weg zum Einkauf für Halloween. Bei den letzten Landgängen konnte man schon in vielen Gärten gruselige Deko bewundern. Da wir auf dem Rückweg leider kein Taxi bekamen, die Zeit, um zum Schiff zurückzukommen, aber knapp wurde, hatten wir riesiges Glück, als uns ein Geschäftsinhaber auf der Frage nach einem Taxistand anbot, uns inkl. unseren Einkaufstüten mit seinem Auto zum Schiff zu fahren. Wirklich nett, diese Kanadier!
In St. John’s in Neufundland bekam ich noch einen Neufundländer vor die Linse. Das war der Hafen, der zu Beginn der Indian Summer-Reise unser erster kanadischer Hafen werden sollte, aber ausgefallen war. Dieser wurde dann auf dem Rückweg unser letzter Hafen. Aber leider nicht wie geplant nur der letzte in Kanada, sondern der letzte Landgang der Reise. Aus vier geplanten Seetagen bis Irland, wurden wetterbedingt acht Seetage – bis wir am neunten Tag in Hamburg ankamen. Das führte dazu, dass eine unserer Künstlerinnen ein Konzert absagen musste, weil sie eigentlich schon in Irland hätte aussteigen und nach Deutschland fliegen sollen.
Diese Zeit konnten wir den Gästen aber unter anderem durch eine Crewshow, eine mehrtägigen Olympiade und vor allem eine super gruseligen Halloweenparty etwas versüßen. Am 31. Oktober waren wir mit mehreren Kollegen den ganzen Tag in der Showlonge, um Gespenster aufzuhängen, eine Fotoecke einzurichten und alles für die große Crew-Gäste-Party vorzubereiten. Ich war dann zwischendurch immer mal unterwegs, um bei den Gästen im Halloweenquiz das Wissen abzufragen oder im Gruselbingo mit meinem Freund dem Skelett Preise zu verlosen. Nach stundenlangem Schmücken und professionellem Makeup eines unserer Künstler, ging es dann bis in die frühen Morgenstunden ins Gruselkabinett. Abschmücken und früh aufstehen stand am nächsten Tag (also nach wenigen Stunden Schlaf) aber natürlich trotzdem wieder auf dem Plan.
Wie so ein typischer Seetag aussieht und was ich da eigentlich so mache?! Dazu kommt auch mal ein Blogbeitrag.
Übrigens findet ihr hier eine Liste ALLER meiner Schiffsreisen.


