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Ein Sommer zwischen Fjorden und Eisschollen

Besser spät als nie. Der Sommer 2019 ist schon etwas her, aber die Zwangspause durch Corona gibt mir endlich die Zeit, mal wieder über meine Reisen zu berichten.
Wie immer: Ein Klick auf die Bilder öffnet die Galerie.

Also – knüpfen wir mal dort an, wo mein letzter Beitrag aufgehört hatte: Der erste Einsatz auf der Amadea endete für mich in Miami und zu Hause angekommen musste ich erst einmal vier Tage meinen Jetjeg ausschlafen. Morgens: Ich habe geschlafen. 😴 Mittags: Wieder geschlafen. Abends und nachts: Auch geschlafen. Es war kein verschobener Schlafrhythmus, sondern nur Schlaf – gefühlt durchgängig, wie ein Bär im Winterschlaf. Ausgeschlafen starte dann mein Urlaub, in dem ich Freunde und Familie wiedersehen konnte.

Anschließend warteten in verschiedenen Reisen einige Highlights West- und Nordeuropas auf uns. Übrigens findet ihr hier eine Liste ALLER meiner Schiffsreisen.

Westeuropa
Bei der Westeuropa-Reise kam ich in eine meiner Bucketlist Destinationen. Ich wollte schon immer mal nach Paris und bei meinem Wunsch-Ganztagesausflug konnte ich vieles dieser schönen Stadt sehen.
Unter anderem der Eifelturm, die Louvre-Pyramide und auch die kurz vorher in Brand geratene Notre Dame Kathedrale haben meinen Wunsch, diese Stadt zu besuchen, bestätigt. Ich werde auf jeden Fall wieder einmal dort hinfahren und mir privat noch mehr Zeit nehmen, um diese schöne Metropole zu entdecken. 🗼

Zudem durfte ich mit den Gästen viele weitere tolle Orte an der Westküste Europas besuchen. Verköstigungen auf Weingütern in Bordeaux, Stadtrundgänge in niedlichen kleinen Städten oder auch der Besuch des Pilgerortes Santiago de Compostela sind nur ein paar Beispiele. Die Filmcrew des ZDF-Traumschiffs war auf dieser Reise auch noch an Bord, musste aber natürlich auch drehen, als wir an Land waren und so kam es, dass Barbara Wussow mich bat, ihr aus Santiago de Compostela einige der bekannten Pilger-Jakobsmuscheln mitzubringen. Schiffs- und Filmcrew halten immer zusammen. Es ist etwas ganz besonderes, wenn das ZDF an Bord ist und gerade die bekannten Schauspieler sind super nett, die Gäste können teilweise bei den Filmarbeiten zuschauen oder sogar als Komparsen mitmachen.

Und auch London stand auf meiner Wunschliste. Dort war ich vorher noch nie, konnte aber bei einer Ganztagestour auch hier den Flair der englischen Hauptstadt kennenlernen. Mein Fazit: Schöne Stadt, viel los und ich war froh, dass nach den 2 Stunden Freizeit alle Gäste wieder am Treffpunkt am Piccadilly Circus standen. Auch die, bei denen ich im Vorfeld etwas Angst hatte, sie zu verlieren. Denn wenn man in einer Stadt, die 2 Stunden Busfahrt vom Schiff entfernt liegt, nicht alle Gäste wieder einsammelt, hat man als Reiseleiter ein Problem. Bisher habe ich aber alle wieder mit nach Hause gebracht. 🙂

Highlights in Deutschland
Auch in Deutschland gab es für mich zwei besondere Tage. Das erste war die Fahrt, die das Zuhause an Land und das auf See miteinander verbunden hat. Ich bin nämlich am 23.6. mit der Amadea durch den Nord Ostsee Kanal und soit durch meine Heimatstadt Rendsburg gefahren, wo ich von meiner Mama, meiner Freundin Linda, unserer Nachbarin und einer Freundin von Mama mit einem riesigen Banner am Rendsburger Hafen begrüßt wurde, auf dem stand „Willkommen zu Hause Mandy und Ahoi“. Danke, dass ihr trotz stundenlanger Verspätung auf uns gewartet habt.
Am 4.8. war das Phoenix Flottentreffen: Alle damals vier Hochseeflotten Schiffe von Phoenix Reisen (Die Amera, die jetzt auch dazu gehört, war damals noch nicht gnz fertig) trafen sich an diesem Tag in Bremerhaven und somit auch fast alle Kollegen der Amadea, Artania, Albatros und Deutschland. Ein toller Tag und ein komisches Gefühl der Amadea von Land aus zuzuwinken (ab dem 4.8. hatte ich dann nämlich Urlaub). ⛴

Nun fragt ihr euch aber zu Recht, warum dieser Beitrag „Zwischen Fjorden und Eisschollen“ heißt, wenn ich doch gar nichts von Schnee & Co geschrieben habe. Dazu komme ich jetzt. Denn im Sommer fahren unsere Schiffe häufig Richtung Norden.

Island und Norwegen
Die Reisen führten uns zum Beispiel zu den Geysiren von Island. Wenn man vor diesen Quellen steht, die kochend heißes Wasser in einer viele Meter hohen Fontäne in die Luft wirbelt, kann man hautnah spüren, was die Natur alles kann. Sehr beeindruckend und ein schönes Naturphänomen, bei dem man schnell den Auslöser der Kamera drücken muss. Ist man zu spät, muss man einige Zeit warten, bis die nächste Fontäne aus der Erde schießt.

Auf Island bekam ich bei einem Ausflug mit einer kleinen Gruppe von Gästen die Möglichkeit auf der Insel Grimsey zu Fuß über den nördlichen Polarkreis zu gehen. Während wir eigentlich erst am Abend mit dem Schiff über den Breitengrad bei 66° 33′ 55″ N fuhren, sind wir von Akureyri auf die kleine Insel Grímsey geflogen, wo wir ganz offiziell mit Urkunde den nördlichen Polarkreis übertreten haben. Hier leben nur knapp 100 Einwohner. So wenig Einwohner diese Insel hat, desto mehr Papageientaucher (englisch: Puffins) gibt es dort. Diese niedlichen Vögel sitzen in Scharen an den Klippen der Insel und lassen sich, wenn man ganz leise ist, gut beobachten. Neben den Walen, die wir aus der Propellermaschine sehen konnten, und den anderen Vögeln, die uns auf unserem Spaziergang angriffen, ein tierisches Erlebnis.

Von Island fuhren wir dann mit dem Schiff über den nördlichen Polarkreis – natürlich inklusive Polartaufe – nach Spitzbergen. Die Tage wurden also mit jeder Seemeile kälter, nördlicher und somit auch länger. Denn je weiter wir nach Spitzbergen kamen, desto näher kamen wir auch dem Punkt, an dem die Sonne die ganze Nacht nicht untergeht. So konnte es auch passieren, dass man sehr lange abends zusammensaß und ganz die Zeit vergaß – es war ja schließlich noch hell. 🌅

In Spitzbergen war Eisbäralarm. Aber bis auf den Eisbären auf dem Warnschild direkt am Schiff und den Eisbärfellen, die es in den Geschäften leider zu kaufen gab, haben wir keinen der weißen Teddybären getroffen. Selbst Kollegen, die schon Jahrzehnte zur See fahren, haben teilweise noch nie einen Eisbären gesehen. Wobei das Wort Teddybär im realen Meeting mit einem solchen wohl nicht mehr zutreffend wäre. Sollte man einen Eisbären an Land so nah sein, dass man ihn erkennt, sollte man sich schnellstens eine Flucht überlegen. Aber vom Schiff aus einen Eisbären sehen, ist ja wohl der Traum von jedem. Nur dafür müssen wir noch etwas besser auf unsere Welt aufpassen, damit es auch noch in Zukunft genug Eisschollen und Futter für diese beeindruckenden Tiere gibt.

Nach einer Gletscherparty vor knackenden Eisbergen ging es weiter zum Nordkap. Trotz einer geplanten späten Ankunft, kann man im Sommer dank der Mitternachtssonne auch noch zu später Stunde zum Nordkap fahren und dort auch etwas sehen… also wenn man nach der Helligkeit geht. Bei meinem ersten Besuch dort oben, konnte man trotzdem nicht viel erkennen. Die Kollegen sagten noch zu mir: „Der Weg zu dem Globus ist ganz leicht zu finden. Einfach durch die Halle durch und dann sieht man ihn schon.“ Na ja, so der Plan. Nachdem ich den Gästen auf dem Weg zum Nordkap viel über dieses erzählt hatte, kamen wir am nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes an, den man auf dem Straßenweg erreichen kann. Aber ich sah… nichts! Keinen Globus und auch keine Halle, durch die man durchgehen konnte. Grund dafür war dichter Nebel. Man konnte durch die Brühe keine 5m weit gucken. Nachdem ich ausgekundschaftet hatte, wo denn nun die Halle war, konnten die Gäste sich auf den Weg machen. Schade, denn den Globus konnte man zwar sehen, wenn man direkt vor ihm stand, aber bei meinem zweiten Besuch einige Wochen später bei strahlender Mitsommersonne nachts um 0 Uhr, konnten die Gäste und ich den Globus und den Besuch dort oben natürlich deutlich mehr genießen. 🌐🌄
Aber neben der Tatsache, dass das Wetter am Nordkap ziemlich wechselhaft sein kann, habe ich dort oben auch wieder die Erkenntnis bekommen, dass es schön ist, auf einem kleinen Schiff zu arbeiten und nicht auf einem großen Dampfer mit A oder M als Anfangsbuchstaben, die 52 Busse zu ihren Ausflügen dort hoch schicken, sondern unsere Busanzahl meistens einstellig ist und wir auch kleinere Häfen anfahren können, in die die großen Pötte nicht fahren können.

Norwegen hat neben schönen Städten wie zum Beispiel Bergen und Tromsø auch atemberaubende Natur zu bieten, nach dem Schnee kommen wir also zu den Fjorden. Besonders der Geirangerfjord mit den sieben Schwestern (Wasserfälle) und den Ausflügen zu unterschiedlichen Aussichtsplattformen und der Trollfjord mit seiner sehr schmalen Durchfahrt zwischen den hohen Bergen hindurch, werden mir immer in Erinnerung bleiben. Gerade der Trollfjord ist ein Beispiel für einen Ort, den ich eben erwähnt habe, in den die ganz großen Schiffe nicht reinpassen.
Am Geirangerfjord haben meine lieben Freunde JP, Franzi, Mats und ich nach den Ausflügen eine Tour mit den Miniautos (Twizzy) zu dem bekannten Felsvorsprung unternommen, den wir nach einer Suche und meinem dritten Anlauf endlich gefunden haben. Empfehlung für alle, die dort auch mal hin wollen: Helm aufsetzen, denn von dort geht es 800 m in die Tiefe.
Aber auch eine Wanderung zu einem Wasserfall ist in dem Ort Geiranger ein Muss für alle Naturfreunde. Wer es gern schnell mag, kann in Norwegen oder Island mit einem RIB-Boot die Küste, Höhlen und winzige Buchten erkunden und sich den Wind (Franzi und ich auch Hagel) um die Ohren wehen lassen. Wer hoch hinaus möchte, kann einen Heliflug über das türkise Wasser der Lofoten machen und für Tierfreunde ist ein Besuch auf einer Huskyfarm z.B. in Tromso genau das Richtige.

Grönland
Und dann gab es im August/September auch noch die Grönlandreise. Auch die war eine ganz besondere Tour. Denn meine Mama ist zum ersten Mal mit an Bord gekommen und ich hatte einen ganz besonderen Geburtstag.
Die Tour führte uns wieder über Island weiter nach Grönland. Eigentlich bin ich jemand, der eher die Sonne liebt, aber mit der richtigen Kleidung ist es auch in kalten Gebieten sehr schön. ❄

„Eisberg in Sicht!“ Glücklicherweise aber anders als bei der Titanic. Dank der Eislotsen hatten wir immer genug Abstand zu den Eisbergen auf dieser eisigen Reise. Die meisten der Gäste machten in Illulissat eine Fahrt mit kleinen Booten, die direkt an der Amadea starteten in die Eisfjorde. Hier konnten wir Wale sehen, die im eisigen Wasser ihre Kreise zogen und Eisberge, die in gewaltigen Wänden aus dem Wasser ragten. Aber natürlich immer mit sicherem Abstand, denn regelmäßig brechen viele Tonnen Eis ins Wasser.
In Illulissat habe ich auch eine Wanderung begleitet, die eigentlich von einem ortsansässigen Guide begleitet werden sollte. Der hatte aber anscheinend etwas falsch verstanden. Auf jeden Fall stand ich mit meiner Gruppe und dem Agenten am Startpunkt und als der Guide nach einer gewissen Zeit immer noch nicht aufgetaucht war, gingen wir auf eigene Faust los. Da es eigentlich ein Übersetzungsausflug war, hatte ich mich im Vorfeld zum Glück vorher informiert und konnte den Gästen auch ohne Guide vieles über dieses Weltnaturerbe erzählen. Als Reiseleiter muss man eben spontan sein. Am Ende des Wanderweges erwartete uns ein Eisfjord in einer unglaublichen Stille. Es war nur unsere Gruppe dort und die vollkommene Stille verlieh diesem besonderen Ort rund um Eisschollen und -berge eine ganz besondere Atmosphäre. In Illulissat muss man über Nacht übrigens aus der Bucht fahren, da die Eisverge ständig in Bewegung sind und am nächsten Morgen sieht d

Außerdem durften wir auf dieser eisigen Reise mit Schlittenhunden in Sissimiut kuscheln und nachts wenn der Hinweis von der Brücke kam, dick eingepackt nach draußen laufen, um Polarlichter zu bewundern. Es ist ein tolles Erlebnis mit Wolldecken auf dem Außendeck zu liegen und in die grünen Lichter am Himmel zu schauen. Wieder ein Beweis dafür, wie besonders die Natur ist.

Ja, und dann war da noch der erwähnte Geburtstag. 😀 Als ich im Tagesprogramm für den 7.9. sah, dass ich an einem Seetag ab mittags entgegen meiner Planung nicht eingeteilt war, wusste ich schon, dass ich da nicht unbemerkt rauskam. Unbemerkt war das richtige Wort, denn im Laufe des Tages erfuhr das komplette Schiff, Gäste und Crew, dass ich Geburtstag hatte. Zum Mittag brachte mir einer unserer Tischkellner einen Teller mit einem Umschlag. In diesem war ein Ausflugsticket. Der Ausflug sollte kurze Zeit später starten und trug folgende Beschreibung „Geburtstagsrallye in kleinen Gruppen: Für Gäste mit eingeschränkter Beweglichkeit und schwachem Nervenkostüm nicht geeignet. Wasserfeste Kleidung, feste Schuhe und gesunder Menschenverstand empfohlen. Durchführung wetterabhängig aber hier sind Schwell oder Wind keine Ausrede. Altersschwäche, Wechseljahre oder Krankheit zählen nicht als Stornierungsgrund.“ So machte sich meine Reisegruppe auf den Weg quer übers Schiff. Mama, JP, Franzi und Svenja waren dabei. Ich mit einem Lollipop vorweg. Für die, die es nicht wissen: Lollipop = Schild mit Ausflugsnummer, das an diesem Tag mein Alter war -> Es musste extra gebastelt werden. Wir haben wie erwähnt, immer so wenig Busse, weil das Schiff so klein ist, dass unsere Lollipops nicht bis zur Zahl meines Alters reichen.
Bei der Rallye musste ich vom Bug zum Heck, von Deck 2 auf Deck 10 und wieder zurück. Von der Kondombox bei der Offiziersmesse zurück ins Lager und mir ein Kostüm holen, Klinken putzen an der Showlounge, eine Hebefigur mit meinem lieben Luc aus dem Showensemble machen und an der Modenschau teilnehmen, mit meiner Kollegin Kathrin einmal ums Deck laufen, einen Kurs in einer Seekarte auf der Brücke einzeichnen und sehr viele andere lustige Aufgaben lösen. Um an das nächste Ziel zu kommen, musste ich anhand verschiedener Rätsel den nächsten Ort auf dem Schiff herausfinden. Nach ca. 3 Stunden durfte ich die Zahlen der rechten Seite einer Dartscheibe zusammenzählen und das Ergebnis ergab eine Kabinennummer auf Deck 10 bei den Suiten. Als Mama, JP und ich diese nach rechnen, suchen und Schlüsselkarte ausprobieren endlich gefunden hatten, wartete dort das komplette Phoenix-Team, inkl. Franzi und Svenja, die sich wenige Minuten vor der Rechenaufgabe verabschiedet hatten, in einer bunt geschmückten Suite, wo mit Marzipantorte, Geschenken und… Orangensaft angestoßen wurde. Danke, vor allem Franzi und Svenja auch hier noch einmal für diese großartige Organisation!
Abends hatte ich dann eine White-Party organisiert, zu der ganz viele tolle Kollegen und Freunde kamen und was mich ganz besonders gefreut hat, der wichtigste Teil meiner Familie, meine Mama, war auch dabei.

Das war eine Zusammenfassung des Sommers zwischen Fjorden und Eisschollen. Dieser Beitrag ist etwas länger geworden, aber so viele Monate in einen kurzen Text zu verpacken, ist gar nicht so einfach. Zumindest nicht, wenn man jeden Tag Neues erleben und so viele neue Orte entdecken darf.
Hier schon mal eine kleine Vorschau, was ich mir auf dieser Seite noch so vorgenommen habe: In der nächsten Zeit möchte ich gern noch einen Beitrag über unsere Indian Summerreise nach Kanada und die USA schreiben und anschließend noch einen über unsere „Welt“reise rund um (Süd-)amerika.
Ihr dürft also gespannt sein, wenn es euch interessiert. 🙂

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