Anfang April hieß es „Hola, América Central“
In Acapulco ging es zum ersten Mal auf diesem Reiseabschnitt „Von Mexiko bis Miami“ auf Ausflug und zwar zu einer Schildkrötenfarm.
Dort übersetzte ich die Vorgehensweise der Schildkröteneier-Aufzucht und uns wurde erklärt, wie wir anschließend Babyschildkröten in die Freiheit entlassen werden.
Diese Tortugas waren erst am Vormittag geschlüpft und dementsprechend noch ganz klein.
Durch das Einsammeln der Eier und das bewachte Schlüpfen und Aussetzen der Schildkröten wird verhindert, dass die Eier von Möwen gefressen werden, wodurch deutlich mehr Tiere überleben und er Bestand geschützt wird. Das habe ich natürlich gern mit einer Patenschaft für meine Schildkröte unterstützt und ein bisschen gespendet. Ich taufte meinen kleinen gepanzerten Freund auf den Namen „Helga“, wie schon die Glücksschildkröte von meinen Mädels Kathi, Heike und mir damals in Malente hieß.
Noch in der Hand dachte meine süße Helga, sie sei ein Vogel und übte in der Luft, ihre kleinen Flossen zu schwingen. Im Wasser wird sie damit sicher eine gute Schwimmerin.
Meine Gäste und ich konnten einen emotionalen Moment erleben, als wir uns alle an eine Startlinie stellten, die Tiere in den Sand setzten und zuschauten, wie jedes von den kleinen Reptilien ihren Weg ins weite Meer fand. Bis sie in ein paar Jahren an diesen Strand zurückkommen und selbst genau dort ihre Eier ablegen. Dieses Erlebnis entschädigte auch dafür, dass ich die Felsenspringer von Acapulco an diesem Tag nicht mehr zu sehen bekam. Die sind beim nächsten Besuch dran.
Andere Länder, andere Standards hieß es dann ein paar Tage später, nachdem wir auch Guatemala hinter uns gelassen hatten, in San Salvador. Denn die Bimmelbahn, mit der meine Gäste und ich auf dem Ausflug unterwegs waren, verlor während der Fahrt ein Rad. Es ist zum Glück niemandem etwas passiert und der erste Schreck war vorüber, als die Fahrt mit einem Ersatzbus zu einem Getränk auf einer schönen Aussichtsterrasse fortgesetzt wurde. Aber auch solche Erlebnisse müssen als Reiseleiter gehändelt werden. Ich war nur froh, dass ich das Rad der Bimmelbahn nicht selbst wechseln musste. Ansonsten hätte es wahrscheinlich länger gedauert und ich hätte nachmittags keine Zeit mehr für eine erfrischende Ananas gehabt.
Mein Highlight in Nicaragua war, dass wir auf der gesamten Fahrt von San Juan del Sur bis Granada von einem Polizeiauto begleitet wurden, um uns ein schnelles Durchkommen zu ermöglichen. Sobald ein Auto oder Motorrad auf der Straße war, wurde gehupt, die Polizisten auf Beifahrersitz und Rückbank lehnten sich aus dem Fenster und fuchtelten wild mit den Händen, damit unserem Reisebus der Weg freigemacht wurde. Obwohl die Straße ansonsten frei war. In Deutschland undenkbar, aber so schnell sind wir auf so einer langen Fahrt noch nie mit dem Bus von A nach B gekommen.
Eine Bootsfahrt durch die Mangroven in Costa Rica und die Besichtigung des Panamakanals von Landseite aus waren meine nächsten Ausflüge. Doch eine ungewöhnliche Begegnung erwartete mich bei der Abendfahrt durch Panama-City, denn als wir an einem Sightseeingpunkt ankamen, waren historische Gebäude und alles drumrum Nebensache, als uns eine Bulldogge auf einem Skateboard entgegenkam. Ja, richtig gelesen.
Die Gäste, u.a. auch Barabara Wussow, die für die Traumschiff-Dreharbeiten an Bord und auf meinem Ausflug dabei war, und ich hatten nur noch Augen für den sportlichen Hund auf dem rollenden Brett. Wenn jemand im Weg stand wurde gebellt und wenn die Treppenstufen zu nahe kamen wusste er genau, wann er bremsen und abspringen musste. Nach einem Gruppenbild, das auf der Instagramseite des berühmten Hundes vom Besitzer gepostet wurde, ging die nächtliche Abendfahrt durch die Großstadt weiter. Somit konnten wir am nächsten Tag mit allen Gästen mit dem Schiff durch den Panamakanal fahren und standen dort mit einem Segelschiff von der Schlei gemeinsam in einem Schleusenbecken – so klein ist die Welt.
Adiós Pazifik, hola Atlantik: Zwei Weltmeere an einem Tag.
Auf einer der San Blas Inseln hatten wir Pierdienst, bei dem wir den Gästen erklärten, was sie auf der kleinen Insel, die an diesem Tag nur von AMA-Gästen besucht wurde, erleben können und dass man unbedingt auf die herunterfallenden Kokosnüsse aufpassen muss: Das gefährliche Leben eines Kreuzfahrers… und das eines Comedians namens Joko Winterscheidt, der ebenfalls in ZDF-Angelegenheiten an Bord war. Cooler Typ auch im echten Leben! 😉
Nach einem relativ entspannten Tag mit Südseeflair, an dem auch wir Reiseleiter mal etwas entspannen konnten, ging es weiter nach Kolumbien.
Dort erwartete mich nach einem Ausflug mit einer Kutschfahrt durch Cartagena direkt an der Pier ein Tierpark mit Papageien, Flamingos und Brüllaffen, die so zutraulich waren, dass sie meinen Stadtplan aus der Tasche klauten und auffraßen. Wenn ich nicht aufgepasst hätte, wäre mein Schild mit meiner Ausflugszahl auch noch draufgegangen. Der Plan für den Nachmittag war eigentlich noch einmal in die Stadt reinzufahren. Da JP bei den Brüllaffen aber neue Freunde gefunden hatte, blieben wir einfach für den Rest des Tages bei den kleinen Babyaffen, die sehr kuschelwillig waren. Da unser lieber Entertainmentmanager JP es nicht lassen konnte, die Vögel zu ärgern, kam es noch zu einem kleinen Papageienangriff, von dem ich ihn aber befreien konnte, sodass wir unversehrt nach einem schönen Tag zum Schiff zurückgehen konnten.
In Montego Bay auf Jamaika begleitete ich eine Floßfahrt durch die urwaldähnlichen Gebiete. Als ich die Floße zum ersten Mal sah, dachte ich nur: „Ach du meine Güte, meine Gäste werden alle ins Wasser fallen.“ Doch nach den ersten Paddelschlägen auf dem Fluss durch unseren jamaikanischen „Gondeliere“ merkte ich, dass die zusammengeschnürten Bambusröhren doch einen ganz stabilen Eindruck machten und am Ende des Tages blieben auch alle trocken. Wer mal so richtig entschleunigen und ein bisschen weiter als an die Schlei fahren möchte, kann auch dort hin. Die Pflanzen und diese Ruhe, die dort nur ab und zu durch Tiergeräusche unterbrochen wurde… einfach traumhaft. Die Gäste waren auch begeistert.
Nachmittags dann eine Stärkung und Abkühlung am Strand vom Hard Rock Café und schon ging die Reise weiter… wieder nach Mexiko.
Diesmal aber an die Ostküste von Mexiko – nach Cozumel. Der Ausflug führte zu einer Miniaturwelt von Tempeln und zu mexikanischen Traditionen mit Kostümen und einer Vorstellung, wir sahen wieder Voladores und besuchten eine Tequilafarm. Die Gäste waren nach diesem letzten Stopp auf einmal noch viel lockerer drauf als vorher. Woran das wohl lag, doch nicht etwa am Alkohol bei der Verköstigung in der Mittagssonne?! 😀 Nach einem sehr lustigen Nachmittag in Cozumel war mir Mexiko noch ein Stückchen sympathischer geworden, als es vorher schon war.
Ostern an Bord mit JP im Osterhasenkostüm, Ostereier bemalen und meiner Ostereiersuche für die Gäste war ein voller Erfolg. Unter anderem auch, weil ich zwischenzeitlich vergessen hatte, dass ich mir Plüsch-Hasenohren aufgesetzt hatte und mich wunderte, dass die Gäste mich auf einmal besonders freundlich anlächelten. 😀
Am 22. April setzte ich dann zum ersten Mal einen Fuß auf US-amerikanischen Boden. Das bedeutete aber auch, dass alle unsere Gäste in New Orleans mit ihrem Pass zum Facecheck mussten. Als der dann vorbei war, ging es auf Entdeckungstour. French Quarter und die bekannte Bourbon-Street, wo nachmittags um 16 Uhr schon so viel los ist wie auf der Reeperbahn nachts um halb eins.
Nach einer Overnight, bei der wir als Crew aus rechtlichen Gründen aber um 22 Uhr wieder an Bord sein mussten, brachte mein Ausflug meine Gäste und mich am nächsten Tag zu einem Alligatorengebiet, durch das wir mit dem Boot nur wenige Meter neben den beeindruckenden Tieren fuhren.
New Orleans ist eine beeindruckende Stadt, nicht nur wegen der Brücke über den Mississippi, die aussieht wie unsere Eisenbahnhochbrücke in meiner Heimatstadt Rendsburg, den Mississippi-Dampfern, des French Quarters und der Shoppingmöglichkeiten direkt am Hafen, sondern wegen der ganzen Atmosphäre.
Key West war als letzter „richtiger“ Hafen vorm Ein- und Ausschiffungstag ein schöner Abschluss der Reise, samt Teamessen. In dem idyllischen Ort bekam man wahres Florida-Feeling.
Miami war letztendlich der letzte Stopp meines ersten Einsatzes auf der Amadea. Noch ein Besuch im Hooters mit den Kollegen TomTom, Thomas und Manu und dann hieß es am Flughafen Abschied nehmen… :,-( Das Schiff fuhr mit liebgewonnenen Kollegen ohne uns Richtung Europa zurück und unser Phoenix-Vollcharter brachte uns nach Deutschland in den wohlverdienten Urlaub!







